Lin Shen rieb sich die geschwollenen Schläfen, die dunklen Augenringe waren unter der weißen Neonröhre unverkennbar. Er saß bereits siebzehn Stunden lang vor diesem Datenstrom-Überwachungsbildschirm. Die amerikanische Kaffeekanne im Pausenraum hatte er dreimal leer getrunken, die Eiswürfel waren schon lange aufgebraucht. Die letzten beiden Tassen trank er reinen, schwarzen Kaffee ohne Eis und Zucker, der so bitter war, dass ihm die Zunge taub wurde, aber die Müdigkeit ließ sich nicht im Geringsten unterdrücken. Am Ende des Flurs ertönten Schritte, ohne sich umzudrehen, wusste er, wer es war – nur Su Tang trug in der gesamten Abteilung solche hochhackigen Schuhe, deren Rhythmus auf dem Marmorboden immer langsam und gleichmäßig war, wie Raubkatzen, die ihr Revier inspizieren. Tatsächlich wurde eine Tasse frisch gemahlenen, dampfenden Kaffees zehn Zentimeter rechts von ihm abgestellt, die Milchschaum-Latte-Art war ein schiefes Sternchen, das eindeutig von der Anfänger-Einstellung der Kaffeemaschine im Erdgeschoss stammte.